Stablecoins: wer hält die Deckung?
Vier Fragen, die einen Stablecoin einordnen – und warum „1,00 USD“ auf dem Bildschirm keine davon beantwortet.
Diese Lektion ist fachlich nicht geprüft. Sie wurde für diese Plattform verfasst und gegen die angegebenen Belege geschrieben; eine unabhängige fachliche Durchsicht hat nicht stattgefunden.
Lernziele
- Sie können die Deckungsarten unterscheiden und benennen, gegen wen jeweils eine Forderung besteht.
- Sie können erklären, was den Peg hält und wann dieser Mechanismus aussetzt.
Vorwissen prüfen
Beantworten Sie diese Fragen für sich, bevor Sie weiterlesen. Wo Sie zögern, liegt der Nutzen dieser Lektion.
- Wer gibt einen Stablecoin aus?
- Was heißt „gedeckt“?
- Wer darf die Deckung einfordern?
Kernkonzept
Vier Fragen, nicht ein Kürzel
Wer gibt aus? Was liegt als Deckung dahinter? Wer darf zu welchen Bedingungen zurückgeben? Und wie wird das geprüft? Zwei Stablecoins mit identischem Bildschirmpreis können auf alle vier Fragen unterschiedlich antworten. Der Preis ist das Ergebnis dieser Antworten, nicht ihr Ersatz.
Der Peg wird von Arbitrage gehalten, nicht von einer Zusage
Ein gedeckter Stablecoin hält seinen Kurs, weil jemand unter dem Nennwert kaufen und beim Emittenten zum Nennwert zurückgeben kann. Dieser Mechanismus setzt voraus, dass Rücknahme tatsächlich offensteht – schnell genug, in ausreichender Größe und für genügend Teilnehmer. Ist der Zugang zur Rücknahme eng, kann ein Abschlag bestehen bleiben, ohne dass an der Deckung etwas fehlt.
Ein Stablecoin ist eine Gegenpartei, kein Bargeld
Wer einen gedeckten Stablecoin hält, hält eine Forderung gegen einen Emittenten und dessen Reserve. Die Reserve trägt eigene Risiken: Zinsänderung, Laufzeit, die Bonität der Bank, bei der sie liegt. „Stabil“ beschreibt das Preisziel, nicht die Risikolage. Für eine Organisation ist ein Stablecoin-Bestand deshalb ein Gegenparteirisiko und gehört als solches in den Bericht.
Begriffe
- Stablecoin im Glossar
- Ein Token, dessen Kurs an einen Referenzwert gebunden sein soll, meist eine Währung.
- Depeg im Glossar
- Ein anhaltendes Abweichen des Marktpreises vom Referenzwert.
- Rücknahme
- Die Rückgabe an den Emittenten gegen den gedeckten Wert.
Modell
Emittent – wer steht dahinter, in welcher Jurisdiktion?
Deckung – was liegt dahinter, mit welcher Laufzeit?
Rücknahme – wer darf, ab welchem Betrag, wie schnell?
Prüfung – wer bestätigt es, wie oft, mit welchem Umfang?
Rechenbeispiel
Zwei Stablecoins bei 0,998 USD
- Coin A
- Rücknahme täglich, ab 1 USD, viele Teilnehmer
- Coin B
- Rücknahme nur für geprüfte Partner ab 100.000 USD
- Marktpreis beider
- 0,998 USD
Bei A schließt Arbitrage die Lücke innerhalb eines Tages, weil viele sie nutzen können. Bei B hängt sie an wenigen Teilnehmern und einer Mindestgröße.
Derselbe Preis, zwei verschiedene Aussagen über die Belastbarkeit des Pegs.
Lesart: Der Preis misst hier nicht die Deckung, sondern den Zugang zur Rücknahme. Wer nur auf den Preis sieht, verwechselt beides.
Abruf
Übung an realen Daten
Sehen Sie sich die Märkte eines Stablecoins an und halten Sie fest, welche der vier Fragen die hier verfügbaren Daten beantworten – und welche nicht.
Stablecoin-Märkte im Explorer ansehen →Anwendung
Eine Organisation will einen Stablecoin als Liquiditätsreserve halten. Welche Unterlagen fordern Sie an?
Passende Fallstudien
Institutionelle Lesart
- Bank
- Als was ist der Bestand zu behandeln – Zahlungsmittel oder Forderung gegen eine Gegenpartei?
- Versicherung
- Welches Ereignis wäre ein Schadenfall: der Abschlag oder das Ausbleiben der Rücknahme?
- Beratung
- Weiß der Mandant, gegen wen seine Forderung läuft?
Zum Mitnehmen
- Ein Stablecoin ist eine Forderung gegen einen Emittenten, kein Bargeld.
- Den Peg hält Arbitrage – und die setzt tatsächlich offenstehende Rücknahme voraus.
- Ein Abschlag ist eine Beobachtung; seine Ursache ist eine eigene Untersuchung.