Wer die Liquidität stellt – und wie lange

Liquidität hat Eigentümer. Wie wenige es sind und woran sie hängen, entscheidet, ob sie im Stressfall noch da ist.

Diese Lektion ist fachlich nicht geprüft. Sie wurde für diese Plattform verfasst und gegen die angegebenen Belege geschrieben; eine unabhängige fachliche Durchsicht hat nicht stattgefunden.

Lernziele

  • Sie können die Konzentration der Liquiditätsgeber messen und einordnen.
  • Sie können erkennen, welche Liquidität an eine Ausschüttung gebunden ist.
  • Sie können die Frage nach der Migration stellen, bevor sie stattfindet.

Vorwissen prüfen

Beantworten Sie diese Fragen für sich, bevor Sie weiterlesen. Wo Sie zögern, liegt der Nutzen dieser Lektion.

Kernkonzept

Fakt

Konzentration ist die eigentliche Tiefenfrage

Die Tiefe eines Pools ist eine Summe über Beiträge, und diese Beiträge haben Eigentümer. Halten die größten drei Adressen zwei Drittel der Tiefe, ist der Pool so tief wie die Geduld dieser drei. Die Zahl, die das misst, ist nicht die Tiefe, sondern der Anteil der größten Beitragenden – und sie ist aus den Bestandsdaten des Pools ablesbar, nicht aus der Preisanzeige.

Interpretation

Gemietete Liquidität erkennt man an ihrem Grund

Liquidität, die wegen einer Ausschüttung da ist, bleibt so lange, wie die Ausschüttung läuft und nirgendwo mehr gezahlt wird. Liquidität, die wegen der Handelsgebühren da ist, bleibt, solange gehandelt wird. Der Unterschied ist an der Aufteilung des angezeigten Ertrags ablesbar: Ein Pool, dessen Ertrag überwiegend aus Anreizen besteht, hat überwiegend gemietete Liquidität.

Risiko

Migration ist der Normalfall, nicht der Ausnahmefall

Liquidität wandert zu der Stelle, die am meisten zahlt, und dieser Wechsel kostet die Anbieter wenig. Für eine Position ist das folgenreich: Die Tiefe, auf die sich eine Ausstiegsrechnung stützt, kann in Tagen woanders liegen. Deshalb gehört zur Beurteilung eines Pools nicht nur seine heutige Tiefe, sondern die Frage, was die Liquidität hier hält, wenn anderswo mehr geboten wird.

Einschätzung

Zwei Zahlen, die zusammen etwas sagen

Die Konzentration sagt, wie viele Entscheidungen nötig sind, um die Tiefe zu halbieren. Der Anreizanteil sagt, wie wahrscheinlich diese Entscheidungen in absehbarer Zeit anstehen. Zusammen ergeben sie eine brauchbare Einschätzung; einzeln ist die erste eine Momentaufnahme und die zweite eine Vermutung über Motive.

Begriffe

Liquiditätsgeber im Glossar
Wer Vermögenswerte in einen Pool einbringt, damit andere gegen sie handeln können.
Gemietete Liquidität
Bereitgestelltes Kapital, dessen Ertrag überwiegend aus einer befristeten Ausschüttung stammt.
Liquiditätsmigration
Die Verlagerung bereitgestellten Kapitals zu einem anderen Pool oder Handelsplatz.

Modell

  1. Tiefe insgesamt

  2. Anteil der größten drei Adressen

  3. Aufteilung des Ertrags in Gebühren und Anreiz

  4. Laufzeit der Anreizausschüttung, sofern angegeben

Vier Angaben zu einem Pool, in dieser Reihenfolge – Die erste Zahl allein ist die, die überall steht – und die einzige der vier, die nichts über morgen sagt.

Formeln

Anteil der größten Beitragenden

konzentration_n = summe der n groessten beitraege / gesamttiefe
n
Zahl der betrachteten größten Adressen, üblich sind drei oder fünf
gesamttiefe
Summe aller Beiträge im Pool

Grenze: Adressen sind keine Parteien: Eine Partei kann ihre Beiträge auf viele Adressen verteilen, womit die gemessene Konzentration zu niedrig ausfällt. Die Kennzahl ist deshalb eine Untergrenze für die tatsächliche Konzentration, nie eine Obergrenze.

Rechenbeispiel

Gleiche Tiefe, andere Haltbarkeit

Pool A – Tiefe
30 Mio. USD
Pool A – größte drei Adressen
14 % der Tiefe
Pool A – Ertragsaufteilung
2,9 % Gebühren, 0,4 % Anreiz
Pool B – Tiefe
30 Mio. USD
Pool B – größte drei Adressen
61 % der Tiefe
Pool B – Ertragsaufteilung
0,3 % Gebühren, 7,1 % Anreiz

In A müssten viele unabhängige Anbieter gleichzeitig abziehen, und der Ertrag hängt an der Nutzung. In B genügen drei Entscheidungen für 18,3 Mio. USD, und der Grund, aus dem diese drei da sind, ist zu 96 % die Ausschüttung.

Dieselben 30 Mio. USD Tiefe, zwei völlig verschiedene Aussagen über morgen.

Lesart: Für eine Ausstiegsrechnung in B ist die heutige Tiefe die falsche Grundlage, solange der Zeitpunkt des Ausstiegs offen ist. Die belastbare Größe ist dort die Tiefe abzüglich der Beiträge, die an der Ausschüttung hängen – und wenn diese Zuordnung nicht möglich ist, ist das als Unsicherheit zu benennen.

Abruf

Zwei Pools haben dieselbe Tiefe. In einem halten die größten drei Adressen 61 %. Was folgt?
Woran erkennen Sie gemietete Liquidität?

Übung an realen Daten

Prüfen Sie, welche der Leitfragen sich aus einer Momentaufnahme beantworten lassen und welche einen Verlauf brauchen.

Dimension 6: Liquidität →

Anwendung

Sie sollen die Tiefe eines Pools für eine Ausstiegsrechnung bewerten. Welche vier Angaben holen Sie ein, und wie gehen Sie mit einer fehlenden um?

Passende Fallstudien

Institutionelle Lesart

Asset Management
Rechnet Ihre Ausstiegsplanung mit der Gesamttiefe oder mit der um Konzentration bereinigten?
Bank
Wo würde „Liquidität hängt an drei Adressen“ in Ihrem Risikoregister stehen?

Kennzahlen in dieser Lektion

Zum Mitnehmen

Belege