Liquidität ist nicht TVL
Der Unterschied zwischen hinterlegtem Kapital und dem, was sich tatsächlich bewegen lässt.
Diese Lektion ist fachlich nicht geprüft. Sie wurde für diese Plattform verfasst und gegen die angegebenen Belege geschrieben; eine unabhängige fachliche Durchsicht hat nicht stattgefunden.
Lernziele
- Sie können Bestand, Tiefe und Ausstiegsliquidität auseinanderhalten.
- Sie können abschätzen, welche Positionsgröße ein Markt trägt.
Vorwissen prüfen
Beantworten Sie diese Fragen für sich, bevor Sie weiterlesen. Wo Sie zögern, liegt der Nutzen dieser Lektion.
- Was passiert mit dem Preis, wenn Sie eine große Order ausführen?
- Warum ist ein Markt mit hohem TVL nicht automatisch tief?
- Wer stellt die Liquidität bereit, und warum?
Kernkonzept
Drei verschiedene Größen, oft verwechselt
Bestand ist, wie viel Kapital hinterlegt ist – das misst TVL. Tiefe ist, wie viel sich zu einem bestimmten Preis handeln lässt. Ausstiegsliquidität ist, wie viel sich unter Stress noch handeln lässt, wenn viele gleichzeitig dasselbe wollen. Die drei fallen in ruhigen Märkten nahe zusammen und gehen genau dann auseinander, wenn es darauf ankommt.
Konzentration ist ein eigenes Risiko
Stammt der größte Teil der Liquidität eines Pools von wenigen Adressen, hängt die Tiefe an deren Entscheidungen. Ziehen sie ab – etwa weil ein Anreizprogramm endet – verändert sich die Handelbarkeit für alle anderen, ohne dass am Protokoll etwas passiert wäre. Der TVL fällt dann nicht wegen eines Problems, sondern das Problem beginnt mit dem fallenden TVL.
Die eigene Position ist Teil des Marktes
Ab einer bestimmten Größe ist man nicht mehr Beobachter des Preises, sondern seine Ursache. Eine Position, die einen nennenswerten Anteil eines Pools ausmacht, lässt sich nicht zum angezeigten Preis auflösen – und im Stressfall schon gar nicht. Deshalb ist die erste Frage vor dem Einstieg nicht die Rendite, sondern: Wie groß darf die Position sein, damit ein Ausstieg überhaupt möglich bleibt?
Begriffe
- Markttiefe
- Der Betrag, der ohne wesentliche Preiswirkung handelbar ist.
- Slippage
- Die Abweichung zwischen erwartetem und tatsächlich erzieltem Preis einer Order.
- Impermanent Loss im Glossar
- Der Wertunterschied zwischen dem Halten von Vermögenswerten in einem Pool und dem bloßen Halten.
Modell
TVL – hinterlegtes Kapital
Davon am aktuellen Preis wirksam – Tiefe
Davon unter Stress verbleibend – Ausstiegsliquidität
Abzüglich des eigenen Anteils – was der Markt noch aufnimmt
Formeln
Anteil am Pool
Anteil = geplante Position / TVL des Pools- geplante Position
- einzusetzender Betrag
- TVL des Pools
- hinterlegtes Kapital im Pool
Grenze: Der Anteil am Bestand ist eine grobe Näherung für den Anteil an der Tiefe. Bei konzentrierter Liquidität kann die handelbare Tiefe am aktuellen Preis deutlich kleiner sein, als der Bestand nahelegt.
Rechenbeispiel
Wie viel trägt dieser Pool?
- TVL des Pools
- 18 Mio. USD
- Geplante Position
- 2 Mio. USD
- Interne Obergrenze
- max. 2 % eines Pools
2 / 18 ≈ 11,1 % des Pools. Die interne Obergrenze von 2 % entspricht 360.000 USD.
Die geplante Position überschreitet die Obergrenze um mehr als das Fünffache.
Lesart: Die Rendite ist an dieser Stelle irrelevant: die Frage ist entschieden, bevor die APY überhaupt betrachtet wird. Entweder die Position wird kleiner, oder sie wird auf mehrere Pools verteilt – wobei dann die geteilten Abhängigkeiten zu prüfen sind.
Interaktives Modell
Das Rechenbeispiel, mit beweglichen Zahlen. Schätzen Sie zuerst, was passiert – und prüfen Sie dann.
Realisierbarer Wert beim Ausstieg
Marktrückgang und Preiswirkung wirken nacheinander – und die Preiswirkung wächst mit dem Anteil am Pool.
Erst schätzen, dann prüfen
Bevor Sie den Regler bewegen: Wie groß darf eine Position in einem Pool mit 18 Mio. USD TVL bei einer Obergrenze von 2 % sein? Und wie hoch ist die Preiswirkung beim Ausstieg der geplanten 2 Mio. USD, wenn nur die Hälfte des Pools auf der Gegenseite steht?
Voreingestellt sind die Zahlen des Rechenbeispiels – verändern Sie eine Größe nach der anderen.
Anteil am Pool: 11,1 %. Preiswirkung beim Ausstieg: 18,2 %. Realisierbarer Wert: 1.636.364 $.
Was das Modell nicht zeigt: Die Preiswirkung folgt der Konstantprodukt-Näherung gegen die Hälfte des TVL. Konzentrierte Liquidität, Gebühren und Liquidität außerhalb des Pools verschieben die Zahl in beide Richtungen; die Näherung zeigt die Größenordnung, nicht den Preis.
Abruf
Übung an realen Daten
Suchen Sie zwei Pools mit ähnlicher APY, aber deutlich verschiedenem TVL. Berechnen Sie für eine gedachte Position von 500.000 USD den Anteil am jeweiligen Pool.
TVL zweier Pools mit gleicher APY vergleichen →Anwendung
Ihre Organisation legt eine Obergrenze für den Anteil an einem einzelnen Pool fest. Welche zwei Argumente tragen diese Regel – und welches Risiko entsteht, wenn man sie durch Aufteilung auf viele Pools umgeht?
Passende Fallstudien
Institutionelle Lesart
- Asset Management
- Wie viele Tage Handelsvolumen entspricht die geplante Position?
- Bank
- Mit welchem Abschlag wäre die Position im Liquiditätsrisikobericht anzusetzen?
- Versicherung
- Wie schnell ließe sich die Position im Schadenfall auflösen?
Kennzahlen in dieser Lektion
Zum Mitnehmen
- Bestand, Tiefe und Ausstiegsliquidität sind drei Größen – TVL misst nur die erste.
- Ab einer bestimmten Größe ist die eigene Position Teil des Preises.
- Aufteilung auf viele Pools diversifiziert nur, wenn die Pools keine Abhängigkeiten teilen.
Belege
- EVD-2026-0008
DeFiLlama — DeFiLlama yields endpoint (/pools)